Wiederinbetriebnahme nach über 30 Jahren – Commodore Amiga 500

Ich bekam neulich einen Anruf. „Hey, mein Vater räumt den Keller auf und hat meinen Amiga gefunden. Willst ihn haben oder soll er ihn wegwerfen…?“

Ich hatte früher nie einen Amiga – nur Atari 800 XL, C128D und dann gings direkt zum Schneider Euro-PC. Einen C64 hab ich vor einigen Jahren schon mal vom Müll bewahrt und jetzt war die Antwort auch klar: „Her damit – Nicht wegschmeißen!!“

Da der Amiga in den letzten 30 Jahren nicht lief, wusste ich nicht ob er überhaupt funktioniert. Also alles mal angeschlossen und eine der mitgelieferten Disketten ins Laufwerk gesteckt. Das wohlige brummen eines alten Diskettenlaufwerkst ertönt und kurz darauf flackerte Speedball 2 auf dem Commodore 1084S Bildschirm. Die Technik läuft schonmal und ist somit eine gute Basis für eine leichte Aufbereitung.

Die mitgelieferten Joysticks waren schon für über 30 Jahren nicht die besten und nach der langen Zeit im Keller funktionierten sie auch nicht mehr – die Kontaktbleche der Taster auf den Platinen federten nicht mehr und somit wurden keine richtigen Steuerbefehle an den Computer gesendet. Damit irgendetwas zu steuern ist unmöglich.
Des Weiteren sieht der Amiga auch nicht mehr ganz frisch aus – damit meine ich nicht das vergilbte Gehäuse. Die Farbe kommt nicht etwa von zu viel HB oder Marlboro in den 90ern. Der Kunststoff vieler Elektronikgeräte der 80er und 90er enthalten bromierten Flammschutzmittel, die über die Zeit zerfallen und ihren Weg auf die Oberfläche des Kunststoffs. Der „Gilb“ ist also keine bloße Verschmutzung, sondern eine chemische Veränderung und lässt sich nicht mit normalem Reiniger entfernen.
Es gibt Methoden die das wieder in ein schönes Hellgrau umwandeln – aber oft ist das nicht von Dauer oder die Behandlung mit Wasserstoffperoxid macht den Kunststoff mit der Zeit spröde. Daher hab ich mich entschieden, den Amiga einfach „gilb“ zu lassen. Falls es mich irgendwann doch noch stört, bestelle ich ein Nachbaugehäuse.

Vorerst musste der Brotkastennachfolger erst mal gereinigt werden, denn da war ordentlich Staub, Schmutz und Schmier dran…

Das Ausbauen der Tasten war bitter notwendig…

Mit etwas Hilfe wurden alle Tasten, die Maus und das Gehäuse gründlich gereinigt.

Jetzt wo alles wieder glänzt und nicht mehr bappt konnten die Tasten samt ihren Federn wieder eingebaut werden.

Und auch hier bekam ich tatkräftige Unterstützung:

Fast wie in der Schule mussten Buchstaben und Zahlen gesucht und sortiert werden…

Nachdem alles wieder an seinem Platz war wurde natürlich getestet.
Ab und zu hing sich der Amiga beim Starten mit einem gelben Screen auf. Das deutet auf einen Speicherfehler oder eine defekte Erweiterungskarte hin. Die Erweiterungskarte hab ich mal ausgebaut und der Fehler war verschwunden. Also musste der Fehler auf der Karte zu finden sein. Tatsächlich war die Batterie, die für die Echtzeituhr auf der Speicherkarte zuständig ist ausgelaufen.

Nachdem die Batterie ausgelötet war und die Platine nochmal gründlich mit Isopropanol gereinigt wurde, funktionierte die Karte wieder – ausser die Systemuhr – die ist bei jedem Start irgendwo in den 80ern. Das stört aber vorerst nicht.

Aktueller Stand ist dass der Amiga 500 einsatzbereit ist. Neue Joysticks sind schon unterwegs und obwohl das Diskettenlaufwerk noch funktioniert wird es bald durch ein Gotek-Laufwerk ersetzt, das Diskettenimages von einem USB-Stick laden kann. Aber keine Angst – der typische Floppysound kann mit einem Lautsprecher simuliert werden…
Mein Amiga steht jetzt erst mal auf einem kleinem Tisch und wird nach dem Einbau des Gotek sicher einen Platz im Partykeller bekommen.

Zum Amiga selbst gibt es eine eigene Staffel „Stay Forever Technik“, die eigentlich alle Fragen rund um die Entstehung, den Einfluss und die darauf laufenden Spiele umfassend behandelt.
Die Episoden sind in drei Schwerpunkte unterteilt:

Teil 1: Wie der Amiga entstand (SFT 19.1): Der Fokus liegt auf den Visionären, der Entstehungsgeschichte in der Mitte der 1980er und der Idee hinter der Maschine. Den Podcast kannst du direkt auf youtube abrufen.
Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=xNJ7FuHWQVg

Teil 2: Technik, Rezeption & Erfolg (SFT 19.2): Hier geht es tief in die Hard- und Software: Multitasking, Grafikchips und die Besonderheiten der verschiedenen Modelle.
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=ra9eBWLEe8I

Teil 3: Spiele & das Ende (SFT 19.3): Die Hochphase der Amiga-Spiele und der Niedergang von Commodore.
Teil 3: https://www.youtube.com/watch?v=B9nn0rWHAYw

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