Vor einer Weile kam eine Teufel-Soundbar mit Anlaufschwierigkeiten bei mir auf die Werkbank. Die Soundbar ließ sich nicht mehr richtig anschalten, bzw. benötigte mehrere Tastendrücke bis sie irgendwann mal an ging.
Der Fehlerbeschreibung klingt das sehr nach altersschwachen Kondensatoren im Bereich der Spannungsversorgung.

Ganz schön breit das Teil. Beim Testen ließ sich die Box auch mit der Fernbedienung nicht anschalten. Nach teilweise bis zu zehn Versuchen klappte es dann und die Soundbar funktionierte, sie ließ sich dann sogar auch ganz normal aus und wieder ein schalten – was einen defekten Taster ausschließen lässt. Zeit das Teil mal von innen zu begutachten.



Nachdem die Platinen vorsichtig aus dem Gehäuse demontiert waren sah man auch schon sehr viele Kondensatoren im Bereich der Spannungsversorgung. Einige davon hatten ziemlich „dicke Backen“

Was sind Kondensatoren?
Ein Kondensator funktioniert wie ein winziger, blitzschneller Akku, der elektrische Energie kurzzeitig speichert und bei Bedarf sofort wieder abgibt. Er sorgt in elektronischen Geräten dafür, dass der Strom gleichmäßig fließt und fängt störende Schwankungen ab. Ein Elektrolytkondensator (oft einfach „Elko“ genannt) ist eine spezielle Bauform, die durch eine Flüssigkeit im Inneren besonders viel Energie auf kleinstem Raum speichern kann. Er wird überall dort eingesetzt, wo viel Pufferkraft gebraucht wird, muss aber – im Gegensatz zum normalen Kondensator – immer richtig herum an Plus- und Minuspol angeschlossen werden.
Elkos trocknen mit der Zeit oft aus und verlieren einen Großteil ihrer Kapazität, d.h. sie können nicht mehr so viel Energie speichern und die Schaltung funktioniert nicht mehr wie geplant. Kondensatoren werden oft parallel eingebaut um die erforderliche Kapazität zu erreichen, das macht das Messen der Restkapazität im eingebauten Zustand schwierig bis unmöglich.



Als erstes wurden diejenigen mit offensichtlich aufgeblähtem Gehäuse ausgelötet. Das war bei der Platine ausserordentlich langwierig, da sie viel Hitze absorbierte und es gefühlt ewig dauerte bis das Lot die Schmelztemperatur erreicht hatte.

Hier ist die Platine beim letzten Test vor dem Einbau – alle schwarz markierten Kondensatoren mussten getauscht werden um die Soundbar wieder fit zu bekommen. Jetzt geht sie wieder mit nur einem Tastendruck an.
Das waren insgesamt knapp 2,5h Arbeit, zwischendrin musste man immer wieder warten bis die Elkos entladen waren, da die Soundbar, wenn sie einmal an war ja erst mal wieder normal reagierte. Es ist mal wieder ein Beispiel dafür, dass das Teil mit etwas großzügiger dimensionierten Bauteilen länger und besser fehlerfrei funktionieren könnte. Das Austauschen wäre bei einem Reparaturbetrieb sicher nicht wirtschaftlich, aber ein eigentlich reparables Teil in den Elektroschrott werfen sollte aber auch nicht die Lösung sein. Wohl dem der Löten kann, oder jemanden kennt der es kann…