Der Neujahrstag steht ja sinnbildlich für einen Neuanfang und deshalb – ach bla, bin kein Philosoph. Ich kann aber Sachen reparieren um ihnen ein Ende im Elektroschrott zu ersparen oder eben dieses zumindest etwas weiter in die Zukunft verlegen.
Heute war ein etwas betagteres iPhone Xs auf der Werkbank, dem recht schnell die Puste ausgeht (Batteriestatus: Service, 76%). Das iPhone soll aber weiter genutzt werden und braucht deshalb einen neuen Akku.
Bei iFixit gibt es natürlich wieder eine passende Anleitung und auch die Ersatzteile kommen aus dem iFixit-Shop (das ist leider keine bezahlte Werbung).
Ein ordentlicher Arbeitsplatz ist schon mal ein guter Anfang für eine erfolgreiche Reparatur.

Da ich mich ziemlich an die Anleitung gehalten habe, solltet ihr für ein eventuelles „Nachmachen“ nicht meinen Beitrag hier als Vorlage nehmen, ich habe nicht alle Schritte ordentlich dokumentiert.
Bei vielen Smartphones, wie auch bei diesem, sind das Display und das Gehäuse miteinander verklebt um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten. Um den Displaykleber etwas geschmeidiger zu bekommen habe ich das Händi eine Weile mit dem Display nach unten auf die Heizplatte meines 3D-Druckers gelegt und auf 60°C erhitzt.




Wenn man den Kleber rundherum durchtrennt hat, kann man das Telefon wie ein Buch aufklappen, den alten Akku von der Hauptplatine trennen um Schäden zu vermeiden und die Displayanschlüsse lösen.



Den Displaykleber kann man selten so sauber lösen wie bei diesem Gerät, meist ist das mehr Gefummel und mit viel Isopropanol verbunden. Aber hier konnte man ganz langsam fast den kompletten Kleber ringsherum lösen.

Wenn man das Display entfernt hat kann man die Tactile-Engine und den Lautsprecher ausbauen um endlich an den Akku zu kommen. Die Dichtung am Lautsprecher muss danach auch erneuert werden und man muss peinlich genau darauf achten, die Schrauben wieder da rein zu schrauben, wo sie drin waren. Teilweise sind die Steckerabdeckungen mit 3 oder vier verschiedenen Schrauben befestigt. Das sind dann bspw. bei der großen Abdeckung über den Anschlüssen 3x 1mm lange Y000, eine 1,3mm lange Y000 und eine 3,7mm lange Kreuzschlitz. Wenn man eine zu lange Schraube an der falschen Stelle einschraubt, kann man darunterliegende Folienkabel, Platinen oder so beschädigen, oder die Schraube steht zu weit hoch und beim Zusammenbau zerstört sie von hinten das Display.


An den Akkus sind Laschen dran, mit denen – ähnlich wie bei Tesa Powerstrips – die vier Klebestreifen unter dem Akku einfach rausziehen können soll. Ich hab ja schon einige iPhones verarztet, aber mit ist es bei keinem gelungen die Laschen mit dem Klebestreifen rauszuziehen. Den Akku hab ich dann immer mit wohl dosierter Gewalt und Hebelkraft entfernt und die Kleberreste am Gehäuse in nervig friemliger Kleinstarbeit mit Isopropanol entfernt Da geht knapp ne halbe Stunde mit Wattestäben, Pinsel, Pinzette usw. für drauf, wenns ordentlich sein soll.
Nach dem alles wieder in umgekehrter Reihenfolge montiert und angeschlossen wurde, sollte man testen, ob das Display und der Touchscreen funktionieren, denn wenn zugeklebt ist, ist eben zugeklebt und man beginnt im Fehlerfall von vorne.


Um das Display wieder einzukleben gibt es fertige Klebepads, die man passgenau auf die vorher gereinigten udn entfetteten Klebeflächen auflegen muss. Diese teilweise unter 1mm breiten Klebestreifen verrutschen gerne mal oder lösen sich beim Abziehen der Schutzfolie, an den Stellen kann man mit Displaykleber ausbessern um das Smartphone wieder so gut wie möglich gegen eindringende Flüssigkeiten zu schützen. Wenn das alles passt kann man das Gerät wieder zu machen und hat nun ein Smartphone, das wieder ordentlich Laufzeit hat um bspw. 10h „Hobbits to Isengard“ zu schauen.

Im Anschluss muss man den Akku einmal auf 100% voll laden und dann wieder komplett entladen – wozu sich das genannte 10h Video oder andere Aktivitäten, die einen Standby verhindern eignen – um die Kalibrierung der Kapazität durchzuführen.
Die Reparatur dauert zwischen 45 und 90 Minuten, der Ersatzakku kostet unter 40€, lohnt sich also je nach Zustand auch noch für so ein älteres Gerät, die Gebrauchtpreise liegen bei 80-200€, dann aber meist ohne neuen Akku.