Nach einigen YT-Videos – unter anderem von My Mate VINCE und Tronicsfix  hab ich mich auch mal dran gemacht „lohnenswerte“, defekte Hardware zu suchen und zu reparieren. Dank einem ifixit-Reparierbarkeitsindex von 8/10 und persönlicher Affinität fiel meine Wahl auf die Nintendo Switch. Die ist einfach zu zerlegen (es wird nur ein Sonderschraubendreher benötigt) und nicht so teuer wie die aktuellen XBox- und PlayStationmodelle (Stand Ende 2020), außerdem hab ich Joycons und Spiele von meiner Switch um die defekten Geräte zu testen.
Die Switch und ihre Joycons ist auch ziemlich modular aufgebaut.

Verbreitete Fehler sind unter anderem:
– gebrochene Displays -> lohnen sich oft noch zum schlachten, leider selten
– BlueScreen -> Ja auch sowas kann die switch – meist ist dann das SoC auf dem Mainboard kaputt oder vom Board gelöst. Auch Schlachtmaterial, da meist dann noch andere Teile wie der Kartenleser, Modulleser, Display, Batterie , aufgelötete onboard-Komponenten usw. weiter verwendbar sind.
– korrodierte Kontakte an den Joyconanchlüssen -> lässt sich oft mit Isopropanol lösen und ist meist einfach zu reparieren
– Touchscreen defekt -> Bei der Switch ist der Digitizer zum Glück nicht mit dem Display verklebt, also kann man beides unabhängig voneinander wechseln
– Ladebuchse defekt -> das ist Verschleiß wenn kleine Mutantenkinder die Switch mit aller Gewalt ins Dock kloppen, kann getauscht werden.
– Batterie bzw. Ladelektronik kaputt -> Batterie wechseln geht recht einfach, die Chips für die Ladeelektronik und USB-C-Verbindungsmanagement müssen mit Heißluft ausgelötet werden und ein neuer Chip muss dann mittels Reflow-Löten aufgelötet werden.
– …
Nach ca. 2-3 Wochen Recherche und „Marktanalyse“ hab ich dann mal 2 defekte Switches bestellt.

Benötigtes Werkzeug für eventuelle Reparaturen:
– Schraubendreherset für Elektronikreparaturen (z.B. amazon Basics, oder besser eins der iFixit-Kits)
– Lötkolben und evtl. Heißluftlötstation (z.B. Yihua)
– Isopropanolalkohol (mindestens 99%)
– hitzebeständiges Kaptonklebeband
– (USB-)Mikroskop

Gefunden habe ich ein paar Angebote, die vielversprechend aussahen. Zwei davon hab ich dann gekauft.

Angebot 1 nur Tablet (78€):
Fehlerbeschreibung: Switch zeigt Bluescreen beim Einschalten.

Analyse:
Bluescreen, Gehäuse verbogen und sonst in einem eher schlechtem Zustand, Verkäufer ist ein Depp gewesen, der nicht alles an Mäneln angegeben hat und dann noch pampig war.

+ Display kaum Kratzer
+ Akku lädt und scheint i.O.
+ Gehäuserückseite erstaunlicherweise gut
– restliches Gehäuse für die Tonne
– Mainboard defekt
Das wird meine Schlachtswitch…

Angebot 2 nur Tablet (95€):
Fehlerbeschreibung: Switch erkennt einen Joycon nicht.

Analyse:
Super Zustand, Joycon links wird nicht erkannt. Die Kontakte in der linken Joycon-Rail sind stark korrodiert.

+ Display eigentlich neuwertig
+ innen auch sauber
+ allgemein sehr guter Zustan
+ geht an
– erkennt linken Joycon nicht

Ich habe die linke Rail mit dem Flachbandkabel demontiert und versucht mit Isopropanol zu reinigen. Die korrodierten Kontakte sehen unter dem Mikroskop schon stark mitgenommen aus.

Ich habe nach erfolglosen Reinigungsversuchen dann die linke Rail aus der verbogenen Switch genommen, was auf Anhieb funktionierte. Leider ist bei der Rail der Lack etwas ab. neue Rails kosten knapp 12€. zum Reinigen hatte ich die Kontakte aus der Rail ausgebaut, das geht also auch. Vielleicht werde ich die Kontaktleiste aus der optisch nicht so tollen Rail in die Rail mit dem guten Zustand einsetzen und dann in die Switch einbauen.
Nachdem das Joycon erkannt wurde, konnte man mit der Einrichtung weiter machen.

Immerhin funktioniert die Switch komplett. Modulschacht, Touchscreen, SD-Slot, WLAN, sonstige Knöpfe – alles geht!

Nachtrag:
Ich habe mittlerweile ein schon ein paar Nintendo Switches repariert und bei zwei der Geräte, die scheinbar baden gegangen sind fiel mir der gleiche Defekt auf:
Sie gingen nicht mehr an und das Display blieb dunkel, auch mit einem „guten“ Mainboard.
Am Folienkabel zum Backlight des LCDs ist beide Male eine Leitung kaputt gewesen, scheinbar fließt hier etwas mehr Strom, der in Verbindung mit der Flüssigkeit dem Stecker nicht sehr gut tut.

Einen Stecker konnte ich  mit Lötzinn direkt überbrücken, aber bei dem war das Gap etwas zu groß, also habe ich an der Leiterbahn etwas vom Lack abgekratzt um das Kupfer der Bahn freizulegen und dann eine einzelne Kuperlitze, die kaum dicker ist als ein Haar nach vorne an den Rest des Kontaktpads gelötet. Das Bild ist unterm Mikroskop entstanden, der Stecker ist keine 5mm breit. Ich habe ein paar Versuche gebraucht, aber es funktioniert.

Video zu der Aktion:

Paar Tage vorher hatte ich eine Switch repariert, deren Gehäuse und Displayglas aber in ziemlich schäbigem Zustand waren (Kratzer, Macken und Materialausbrüche). Als ich das Mainboard in ein besseres Gehäuse stecken wollte hab ich den Display-Anschluss auf dem Board kaputt gemacht (ein Pin im Innern hat sich verbogen und ich konnte ihn nicht mehr richten…). Also hab ich den kompletten Anschluss ausgelötet und ihn durch einen anderen von einem Spenderboard ersetzt.

Um den neuen Anschluss nicht zu schmelzen habe ich das Board von unten erhitzt – bei ca. 1:40 erkennt man wie das Lötzinn an den Kontakten flüssig wird und der Anschluss wie durch Zauberei an allen Pins Kontakt macht. Nachdem das Heissluftlöten soweit fertig war, habe ich noch einzelne Pins mit dem feinen Lötkolben und etwas Zinn antatschen müssen um wirklich alle Kontakte mit den Lötpads auf der Platine zu verbinden. Auch diese OP ist geglückt!

Zum Testen nehme ich die reparierte Switch zur Zeit immer mit um zu sehen, ob die Verbindungen vom Displayport und dem LCD-Backlight auch im mobilen Einsatz halten. Bisher geht alles.

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